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05
SEP
2015

Wichtige Fragen und Antworten zum Thema Luftentfeuchter

Bitte erklären Sie uns kurz das Funktionsprinzip eines Luftentfeuchters?
Es gibt viele verschiedene Arten von Luftentfeuchtern. Die gängigsten Modelle sind Luftentfeuchter mit einer Kältemaschine. Hierbei wird – wie bei einem Kühlschrank mit einem Kompressor – eine kalte Oberfläche erzeugt, an der das Wasser kondensiert und in den Tank abläuft.

Welche Anwendungsmöglichkeiten gibt es generell für Luftentfeuchter?
Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig und reichen vom Entfeuchten nach einem Wasserschaden bis hin zum Trocknen von Honig beim Imker. Hauptanwendungsfall ist jedoch Kondensfeuchte im Keller, die vor allem im Sommer entsteht. Häufig kommen Luftentfeuchter auch in Häusern zum Einsatz, die stark isoliert sind und keine zentrale Be- und Entlüftungsanlage haben.

Auf welche Leistungsmerkmale sollte man beim Kauf achten, wenn man etwa sein Badezimmer entfeuchten möchte?
Ein Badezimmer ist in der Regel sehr klein. Man muss aufpassen, dass der Luftentfeuchter nicht von Spritzwasser getroffen wird. Eine Entfeuchtungsleistung von 10l/Tag ist in der Regel ausreichend, um innerhalb von zwei bis drei Stunden die Luftfeuchtigkeit zu regulieren.

Kann man mit dem gleichen Luftentfeuchter auch den Keller trocken bekommen? Warum/Warum nicht?
Im Keller hat man häufig das Problem, dass Wände durchfeuchtet sind. Hier wird meist ein größerer Luftentfeuchter benötigt. Das liegt zum einen einfach daran, dass der Keller größer als das Badezimmer ist, zum anderen sind die Temperaturen im Keller niedriger als im Bad. Grundsätzlich gilt: Je niedriger die Raumtemperatur, desto mehr Entfeuchtungsleistung ist nötig. Wichtig ist auch, dass der Luftentfeuchter mit einer temperaturgesteuerten Abtauautomatik ausgerüstet ist, sonst kann das Gerät im Keller einfrieren und kaputt gehen.

Wie viel Feuchtigkeit sollte ein modernes Gerät für den Einsatz in den eigenen vier Wänden in 24 Stunden maximal aus der Luft ziehen?
Das kommt ganz auf den Raum und die Gegebenheiten an. Es gibt den Mythos des Kapilarabrisses: Wird zu schnell getrocknet, kann die Oberfläche der Wand abtrocknen und die Feuchtigkeit aus dem Inneren der Wand nicht mehr nach außen dringen. In der Praxis ist es jedoch unmöglich mit einem Luftentfeuchter mit Kältemaschine diesen Zustand zu erreichen. Es spielt daher keine Rolle, wie stark entfeuchtet wird. Beim Einsatz von sog. Adsorptionstrocknern kann es tatsächlich zum Abriss kommen. Aber auch nur dann, wenn die Trocknung völlig überdimensioniert aufgebaut wird. Es gibt somit keinen Maximalwert.

Wirkt ein Luftentfeuchter effizient gegen Schimmelpilzbildung? Ist der Pilz dann weg, wenn die Wände trocken sind?
Ja, ein Luftentfeuchter wirkt effizient gegen Schimmelpilzbildung. Allerdings ist der Schimmel nicht automatisch weg, wenn die Wände trocken sind. Schimmelpilze können sich ab ca. 65 % Luftfeuchte bilden. Darunter ist es zu trocken und die Pilze können nicht wachsen. Sporen von Schimmelpilzen überleben jedoch. Kleineren Schimmelbefall kann man selbst entfernen. Für größeren Schimmelbefall muss eine Fachfirma beauftragt werden. Um die Schimmelsporen aus der Luft zu filtern ist ein Luftreiniger empfehlenswert.

Wie sieht das mit der Energieeffizienz der Geräte aus? Was sollte ein moderner Luftentfeuchter verbrauchen?
Das kommt auf die Leistungsklasse (10 Liter, 20 Liter oder 30 Liter) der Geräte und die Raumtemperatur an. Problem hierbei ist, dass die Nennleistung in Watt keinerlei Rückschluss auf den Stromverbrauch zulässt, da der Stromverbrauch eines Luftentfeuchters stark von der Umgebungstemperatur abhängt. Entscheidend für den Stromverbrauch eines Luftentfeuchters ist die Aufnahmeleistung im Dauerbetrieb z.B. bei 20°C. Diese sollte bei 10 l nicht über 0,2 kW/h, bei 20 l nicht über 0,4 kW/h und bei 30 l nicht über 0,5 kW/h liegen.

Die Nennleistung ist eines der wichtigsten Kaufkriterien und wirkt sich auch direkt auf den Stromverbrauch und somit auf die regelmäßigen Kosten aus. Wie wird die Nennleistung genau definiert und wo findet der Kunde den Wert auf der Packung eines Geräts?
Während bei Fernsehgeräten, Waschmaschinen, Handmixern und co. die Nennleistung einen direkten Rückschluss auf den Stromverbrauch zulässt,  gilt das bei Luftentfeuchtern nicht. Das ist genau der Punkt – es gibt keine exakte Definition der Nennleistung eines Luftentfeuchters. Nach der in der EU gültigen Norm kann jeder Hersteller fast alles angeben, da die Umgebungstemperatur eine wesentliche Rolle spielt.
Von der Umgebungstemperatur hängt ab, wie hoch die Nennleistung ist. Bei niedriger Umgebungstemperatur ist der Stromverbrauch niedriger, gleichzeitig ist die Leistung des Luftentfeuchers niedriger. Bei höherer Raumtemperatur ist der Stromverbrauch höher, aber auch die Luftentfeuchterleistung steigt.

Die auf der Packung angegebene Nennleistung gilt für eine übliche Raumtemperatur, die als Hersteller zwischen 15 °C und 25 °C zu wählen ist, plus / minus einer Toleranz von 15 °C.

Auf die Spitze getrieben bedeutet das, dass man als Hersteller den Luftentfeuchter bei niedriger Temperatur laufen lassen kann, die Leistung messen und davon noch die Toleranzen abziehen kann. So bekommt man zwar eine im Vergleich zum Stromverbrauch völlig unrealistische Nennleistung, rechtlich ist diese jedoch einwandfrei. Man muss beim Luftentfeuchter deutlich sagen „Vorsicht vor der Nennleistung“.

Welche Luftfeuchte ist für ein Badezimmer in Ordnung, welche zu viel? Wie misst man diese?
Zur Messung von Luftfeuchte gibt es sog. Hygrometer. Diese können mechanisch oder auch elektronisch sein. Im Badezimmer ist eine Luftfeuchtigkeit von rund 50 % noch in Ordnung.

Ein Thermo-Hygrometer erleichtert die Raumklima-Kontrolle. Auf welche Werte kommt es bei der Messung an und wann sollte man mit einem Entfeuchter reagieren?
Die relative Luftfeuchtigkeit ist immer ein Zusammenspiel aus Wassergehalt der Luft und Temperatur. Daher sind bei niedrigen Temperaturen höhere Feuchten noch in Ordnung, bei hohen Temperaturen ist Vorsicht angesagt. Bei 21°C z. B. ist eine Luftfeuchte von rund 50 % in Ordnung. Bei einer höheren Luftfeuchte sollte man reagieren. Um festzustellen, bei welcher Temperatur welche Feuchtigkeit herrschen soll, gibt es Behaglichkeitsdiagramme.

Gibt es verschiedene Entfeuchtungstechniken? Wie funktionieren diese und welcher sollte man für welchen Zweck den Vorrang geben?
Es gibt Kondenstrockner und Adsorptionstrockner. Kondenstrockner arbeiten mit einer Kältemaschine. Adsorptionstrockner trocknen mittels einem hygroskopischen Material, ähnlich wie die Entfeuchtungskissen aus dem Baumarkt. Dieses Material wird dann elektrisch erhitzt und wieder getrocknet. Der entstandene Wasserdampf wird dann abgeleitet. Adsorptionstrockner sind sehr teuer und brauchen sehr viel Energie. Daher werden sie eher in Spezialfällen, z.B. zum Trocknen einer Dämmschicht nach einem Wasserschaden eingesetzt. Für alle Fälle, die es in einem Privathaushalt gibt, sollte man auf einen Kondenstrockner zurückgreifen. Es gibt zwar auch hier Adsporptionstrockner, allerdings benötigen diese bis zur zehnfachen Menge an Strom, um die gleiche Menge Wasser zu entfeuchten, wie z. B. ein Kondenstrockner.
Darüber hinaus gibt es noch Peltier Entfeuchter. Diese besitzen als Funktionselement einen elektrothermischen Wandler, der eine Temperaturdifferenz auf zwei Platten erzeugt (Peltier-Effekt). Auf der kalten Platte kondensiert das Wasser. Peltier Entfeuchter sind nicht empfehlenswert, da diese eine sehr geringe Entfeuchtungsleistung haben und zudem einen sehr hohen Stromverbrauch pro Liter Wasser, auch wenn die Nennleistung zunächst sehr gering erscheint; hinzu kommt eine kurze Lebensdauer.

Wie lange muss der Entfeuchtungsvorgang sein, damit ein Raum von der Größe eines Badezimmers trocken ist. Auf was kommt es bei den Geräten an, damit diese schnell trocknen?
Bei einem Badezimmer, das gekachelt ist, nimmt die Wand kaum Feuchtigkeit auf, daher geht das Trocknen entsprechend schnell. Der Luftentfeuchter fürs Bad sollte eine Entfeuchtungsleistung bei 30 °C und 80 % LF von rund 10l/Tag haben, sofern das Bad nicht größer als 25m² ist. Nach dem Duschen wird das Gerät ca. zwei bis drei Stunden – je nach Größe des Badezimmers – für die Entfeuchtung benötigen.

Worin unterscheiden sich die Geräte im Markt voneinander? Gibt es da große Unterschiede oder Techniken, die man möglichst nicht einsetzen sollte?
Der große Unterschied zwischen den Geräten ist die Entfeuchtungsleistung. Allerdings ist diese nur dann vergleichbar, wenn die Umgebungsbedingungen der zu vergleichenden Geräte identisch sind. Aufgrund der geringen Lebensdauer und des hohen Stromverbrauches sollte man auf Peltier Luftentfeuchter verzichten.

Wie funktioniert die automatische Feuchtesteuerung? Kann dies jedes Gerät?
Viele Luftentfeuchter haben eine automatische Feuchtesteuerung, die entweder auf einem elektronischen oder einem mechanischen Funktionsprinzip beruhen. Die teurere Lösung ist eine mechanische Feuchtesteuerung; eine solche ist dauerhaft und zuverlässig. Hier wird ein Feuchteschalter verbaut, der mit einer Folie ausgerüstet ist, die ihre Länge mit veränderter Luftfeuchtigkeit ändert. Über eine Mechanik wird die Vorspannung der Folie eingestellt und das Gerät schaltet zuverlässig aus und ein. Vorteil ist, dass diese Technik zuverlässig funktioniert und langlebig ist. Nachteil ist, dass keine Luftfeuchtigkeit angezeigt wird und die Mechanik relativ teuer ist.

Die elektronische Feuchtesteuerung ist derzeit sehr beliebt, weil die Luftfeuchtigkeit hier digital angezeigt werden kann. Für den Hersteller sind die Elektronikbauteile auch billiger als eine aufwändige Mechanik. Persönlich bin ich kein Fan dieser Technik, da ordentliche elektronische Feuchtefühler den Gerätepreis schnell übersteigen und einfache elektronische Feuchtefühler immer mit der Genauigkeit Probleme haben. Zudem haben diese Geräten einen Stand By-Stromverbrauch.

Was muss man für einen guten Entfeuchter ausgeben?
Das kommt auf den Anwendungsfall an. Von ganz billigen Geräten ist abzuraten. Qualitativ vernünftige Geräte bekommt man ab ca. 140 EUR.

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